Chancen einer alternden Gesellschaft

Erfülltes Altern heißt am Selbst zu wachsen

Hurra, wir werden älter!: Unsere angesichts des demografischen Wandels alternde Gesellschaft aber auch das eigene Altern als Chance zu begreifen, dies war der Grundtenor des diesjährigen Charity Summits am 27. und 28. Juni in Berlin. Über 60 Gäste aus Stiftungen, Verbänden, Politik, Wirtschaft und Medien konnten an zwei Tagen neue Impulse aus Praxis und Wissenschaft für ihre Führungstätigkeiten in ihren Organisationen gewinnen, anregende Diskussionen erleben und neue Kontakte knüpfen.

Höhepunkt des Abends war der inhaltlich und künstlerisch beeindruckende Vortrag von Prof. Andreas Kruse, einem der führenden deutschen Vertreter der Gerontologie und Demografie, der seine Thesen mit einem musikalischen Programm verband und damit inspirierende Grenzgänge ermöglichte. Er führte aus, daß das eigene Altern eine intensive und bereichernde Selbsterfahrung ist, die neue Potenziale und Kreativität offen legt – auf die unsere Gesellschaft zukünftig immer weniger verzichten kann. Dabei ist der Weg vom Selbst zum Anderen ein sinngebender Bestandteil erfüllten Alterns: Viele ältere Menschen erkennen im Engagement für nachfolgende Generationen eine wichtige Form der Gestaltung ihres eigenen Lebens. Beim anschließenden Round Table Abendessen in den stimmungsvollen Räumlichkeiten des Berliner Spreespeichers konnten die Teilnehmenden ihre Ideen und Gedanken zum Vortrag direkt in die persönlichen Gespräche einfließen lassen.

Der folgende Tag diente dem Realitätscheck: In einer von ZDF-Moderator Wolf-Christian Ulrich moderierten Talkrunde präsentierten und diskutierten die Kooperationspartner der Veranstaltung Loring Sittler, Leiter des Generali Zukunftsfonds, und Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft der Körber-Stiftung, die Ergebnisse ihrer empirischen Studien zu den Themen Alter, Altersbild und Engagement. Im Anschluss erfolgte der Blick in die Praxis unter den Perspektiven Arbeitswelt, bürgerschaftliches Engagement, Leben und Wohnen sowie Pflege und Gesundheit.

Loring Sittler „Unser Bild von Alter ist negativ besetzt. Das hindert uns daran, die enormen Potenziale, die sich mit zunehmendem Alter entfalten können, zu nutzen. Die Generali Altersstudie, in deren Rahmen Menschen aus der Generation 65plus befragt wurden, hat eines gezeigt: Älteren geht es heute so gut wie noch nie. Vor allem das herkömmliche Bild von der Vereinsamung im Alter wird zum großen Teil von den Älteren selbst nicht so gesehen – viele verfügen über dichte soziale Netze. Ganz wichtig ist ihnen, den nachfolgenden Generationen etwas weiter zu geben und damit ihr Alter sinnerfüllt zu gestalten: mit Engagement in Form von Zeit und Geld. Und das nicht nur innerhalb der Familien. Das hohe bürgerschaftliche Engagement der über 65-Jährigen ist mit 45 Prozent höher als bisher angenommen. Das Werteverständnis unserer Demokratie ist nicht das eines isolierten Einzelmenschen, sondern beruht auf einer zum Menschen wesenhaft dazugehörenden gesellschaftlichen Mitverantwortung. So wie selbstverständlich das Eigentum zum sozialen Gebrauch verpflichtet, so verhält es sich mit dem angehäuften Potential der Alten: Sie sind auch nach dem Erwerbsleben zum Engagement verpflichtet – das bedeutet keine gesetzliche Pflicht, sondern eine moralisch-politische, die sich insbesondere an diejenigen richtet, die noch fit genug sind – und das ist die überwältigende Mehrheit der Alten. 

Angesichts des demografischen Wandels ist das freiwillige Engagement der Alten zunehmend gefragt und gefordert, – und das ist kein Nachteil, sondern eine ganz besonders große Teilhabechance: Sie können sich selbst darin verwirklichen und der Gemeinschaft etwas zurückgeben.“

Loring Sittler, Leiter Generali Zukunftsfonds

Rudolf Kast „Die Arbeitswelt ist ein Schlüsselbereich unserer Gesellschaft. Ältere Beschäftigte werden mehr denn je im Arbeitsmarkt benötigt und dies wirkt sich unmittelbar und positiv auf unser Altersbild aus. Gleichzeitig werden wir unsere herkömmlichen Vorstellungen von (linearen) Karrierewegen und dem Lernen im Alter über Bord werfen. Angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels gilt es Konzepte einer lebensphasenorientierten Personalpolitik zu entwickeln und umzusetzen mit flexiblen Antworten auf die Erfordernisse in unterschiedlichen Lebensphasen. Unsere Führungskräfte in den Unternehmen werden wir darin fit machen, altersgemischte Teams so zu führen, daß die unterschiedlichen Fähigkeiten aller Altersgruppen zur Entfaltung kommen und durch lebenslanges Lernen weiter entwickelt werden.“

Rudolf Kast, Vorstandsvorsitzender des Demographie-Netzwerks (ddn)

Vortrag herunterladen

Gerhard Schönleber „Die Mischung macht’s – aus jung und alt, Singles und Familien, Menschen mit niedrigen und höheren Einkommen: Man muss die Wohnungen der Zukunft so bauen, daß sowohl gemeinschaftliches als auch generationenübergreifendes Wohnen möglich ist. Das ist viel mehr als Barrierefreiheit. Neue Wohnformen sind gefragt, die den Bedürfnissen der oftmals allein stehenden Älteren und der jüngeren Generationen entgegen kommen, und die Gemeinschaft, Kommunikation und den Zusammenhalt in der Nachbarschaft fördern – beispielsweise durch Wohnungen, die WG-tauglich sind, innovative Cluster-Wohnungen oder Gemeinschaftseinrichtungen wie Cafés, Höfe oder Gärten.“

Gerhard Schönleber, Vorstand, Wohnbaugenossenschaft wagnis eG München

Vortrag herunterladen


Der SocialSummit findet am 21./22. Juni 2018 in Berlin statt.
Melden Sie sich jetzt an.

asdf
x