Auf ins Neue!
Veränderung wagen. Wandel gestalten.

Viel Raum für Inspiration, Austausch und Diskussion bot der zweitätige SocialSummit 2015 im Berliner Spreespeicher. Rund 80 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gingen der Frage nach, wie sich gesellschaftlicher Wandel aktiv und nachhaltig gestalten lässt und ließen sich dabei inspirieren von spannenden Diskussionen, Vorträgen und Praxisbeispielen.

Im Gespräch: Neue Kulturen in der Unternehmens-, Arbeits- und Alltagswelt. Steht ein Paradigmenwechsel bevor?

Wie funktionieren gesellschaftliche Veränderungsprozesse und welche Gestaltungsmöglichkeiten besitzen wir? Diese Frage stand am Eröffnungsabend im Gespräch zwischen Staatsministerin Aydan Özoğuz, Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, und Thomas Ramge, Technologie-Korrespondent des Wirtschaftsmagazins brand eins, im Fokus. Ein spannender Einstieg in das Veranstaltungsthema, der von ZDF Journalist Wolf Christian Ulrich moderiert wurde.

„Grundsätzlich kann man die Situation so beschreiben: 40 Prozent der Menschen sind für Veränderungen offen, 30 Prozenten gehören zur Gruppe der ‘Verhinderer‘, weitere 20 Prozent bewerten Veränderung positiv. Oft gewinnen jedoch die ‘Verhinderer‘ die Hoheit in Diskussionen. Das verlangsamt Innovationen. Dabei steht die große Mehrheit der Gesellschaft Veränderungsprozessen eigentlich positiv gegenüber. Hier müssen also die Überzeugungstäter ins Spiel kommen und ihre Überzeugungsarbeit sprichwörtlich leisten. Die meisten Veränderungsprozesse gehen zunächst von kleinen Einheiten solcher Innovatoren aus, die den Mut haben, sich Spielraum und Freiheiten zu nehmen. Von diesen Erfolgsinseln aus ragen die Innovationen dann in das Ganze hinein.“

Thomas Ramge, Technologie-Korrespondent des Wirtschaftsmagazins brand eins

 

Talkrunde: Neue Wege, neue Ansätze, neue Freiräume – Wie können wir Wandel nachhaltig gestalten?

„Wandel ist nicht aufhaltbar, der Weg der Entwicklung ist aber gestaltbar“, diesen Ansatz formulierte Thorben Albrecht, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, im Rahmen der Podiumsdiskussion zu Beginn des zweiten Veranstaltungstages. Markus Hipp, Geschäftsführender Vorstand BMW Stiftung Herbert Quandt, und Dr. Juliane Kronen, Vorstandsmitglied der Right Livelihood Award Foundation und Gründerin der innatura GmbH, waren ebenfalls Gäste der Talkrunde.

 „Menschen aus verschiedenen Welten – wie Unternehmen, Politik und Verwaltung oder gemeinnützigen Organisationen – denken jeweils anders und gehen soziale Herausforderungen unterschiedlich an. Wir brauchen mehr Vermittler, die diese unterschiedlichen Perspektiven miteinander verbinden und sektorübergreifende Lösungen für Probleme finden. Wir gestalten Wandel nur, wenn wir uns über den vorhandenen Rahmen hinaus bewegen, unsere Kernkompetenzen auch in anderen Kontexten einbringen und bewusst auch mal ein Risiko eingehen. Nur so können wir Neues generieren.
Purpose ist the new money: Insbesondere junge Leute wollen nicht mehr in Unternehmen arbeiten, die allein gute Produkte produzieren. Vielmehr möchten sie ihre Kompetenzen in Unternehmen einbringen, die einen Sinn stiften, einen Beitrag zur Gesellschaft leisten. So löst sich die Trennung zwischen unternehmerischer und sozialer Welt ein Stück weit auf. Und das ist gut so. Denn letztlich braucht jedes soziale Vorhaben, das nachhaltig einen Wandel generieren will, auch eine unternehmerische Basis. Nur so kann verhindert werden, dass ein Projekt nach einer 3-, 5- oder 7-jährigen Förderzeit verkümmert. Es gilt eine Brücke zwischen Unternehmertum und sozialem Handeln zu schlagen. Das erfordert einen Haltungswandel – in allen Sektoren.“

Markus Hipp, geschäftsführender Vorstand der BMW Stiftung Herbert Quandt

 

Wandel in der Arbeitswelt: Arbeiten ohne Chef

„Schon bei der Gründung von it-agile stand fest, dass bei uns nicht willkürlich Entscheidungen gefällt werden sollen, sondern jeder sich einbringen kann. Partizipation, Selbstorganisation und Gerechtigkeit sind wichtige Bestandteile unserer Firmenidee. Aber wir möchten auch intern praktizieren, was wir predigen. Und das bedeutet eine umfassende Selbstorganisation, schneller Umgang mit Veränderungen und eine ausgeprägte Feedbackkultur. Um neue Lösungen zu finden, nutzen wir ‚Safe-to-Fail-Experimente’. Wir gehen in diesem Prozess bewusst in vielen kleinen Schritten und sehr systematisch vor, werten aus und entscheiden dann gemeinsam, wie es weitergeht. Obwohl unsere Prozesse auch mal langwieriger erscheinen, es lohnt sich!“

Henning Wolf, Geschäftsführer it-agile GmbH

 

Wandel in der Gesellschaft: Jungen Menschen Gehör verschaffen

„Die Frage, ob wir in Deutschland in einem durch Einwanderung geprägten Land leben oder nicht, finde ich absolut anachronistisch. Diese Diskussion wurde längst von der Realität eingeholt. Denn wie sonst lässt sich eine Gesellschaft beschreiben, in der jeder Fünfte einen Migrationshintergrund hat? Unsere Gesellschaft hat sich bereits ideell und identitär stark verändert, auch wenn manche davor noch die Augen verschließen. Besonders für junge Menschen ist es Normalität, in einer pluralen Gesellschaft zu leben. Mit der Jungen Islam Konferenz wollte ich meiner Generation eine Plattform schaffen, diesen stattfindenden Wandel aktiv mitzugestalten. Und ihr natürlich auch eine Stimme im laufenden Diskurs verschaffen, der ja meist eher von Älteren bestimmt wird. Was bedeutet Deutschsein, wie gehen wir mit den bestehenden Islambildern um? Das sind nur einige der Fragen, die uns beschäftigen. Unsere Großelterngeneration hatte noch das Ziel, möglichst wenig aufzufallen. Wir sind aber bereits integraler Teil der deutschen Gesellschaft und da ist es nur logisch, dass wir diese auch mitgestalten wollen. Ich würde mir wünschen, dass wir uns einem deutschen Selbstbild annähern, wie es in Kanada schon existiert: Unity within diversity.“

Esra Küçük, Gründerin und Leiterin der Jungen Islam Konferenz (JIK)

 

Wandel im öffentlichen Raum: Die essbare Stadt


Der SocialSummit findet am 21./22. Juni 2018 in Berlin statt.
Melden Sie sich jetzt an.

asdf
x