Denkräume | Ökonomie

Social Summit

Jährlich werden hierzulande neuwertige Waren mit einem Marktwert von mehr als sieben Milliarden Euro entsorgt. Wir funktionieren als Drehscheibe zwischen Unternehmen, die Sachen spenden wollen, und Non-Profit-Organisationen als Empfängern. Damit sich es sich für Firmen lohnt zu spenden statt wegzuwerfen, braucht es stärkere Anreize. Die geplante faire Besteuerung von Sachspenden ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es braucht aber noch stärkere Incentives. Wir sollten uns zudem andere Länder wie etwa Frankreich zum Vorbild nehmen, wo es verboten ist, Non-Food-Artikel und Lebensmittel zu vernichten.

Dr. Juliane Kronen
Geschäftsführerin und Gründerin von innatura
Social Summit

Darf man Gutes tun und damit Geld verdienen? Auf jeden Fall! Je stärker ein Sozialunternehmen wächst, desto mehr Wirkung und Impact kann es erzielen. Damit Social Entrepreneur:innen ihre Stärken besser entfalten könnten, braucht Deutschland eine soziale Innovationsstrategie und bessere Finanzierungsinstrumente. Für die Unternehmen ist eine eigene Rechtsform unabdingbar. Bisher fallen die Social Entrepreneur:innen durch jedes Raster: Sie werden anhand klassischer Businesspläne bewertet. Das funktioniert nicht bei Unternehmen, bei denen Sinn vor Gewinn steht. Die Politik muss stärker in den Blick nehmen, welche Wirkung ein Unternehmen für die Gesellschaft erzielt.

Julia Post
Vorständin von Netzwerk Deutschland e. V.

Denkräume | Digitalisierung

Social Summit

F5 versteht sich als Bündnis der digitalen Zivilgesellschaft und strebt eine gemeinwohlorientierte Digitalpolitik an. Wir fragen uns, was die Gesellschaft wirklich braucht und schauen kritisch auf Technologien und Innovationen, die nur dem Einzelnen dienen. Mit unseren Ideen gehen wir dahin, wo politische Entscheidungsgewalt verortet ist. Unser Ansatz ist dabei, für einen guten Wissenstransfer von der Zivilgesellschaft in die Politik zu sorgen, sodass gemeinwohlorientierte Perspektiven in der politischen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.

Dr. Henriette Litta
Geschäftsführerin von Open Knowledge Foundation Deutschland
Social Summit

Digitale Infrastrukturen, die dem Gemeinwohl dienen, operieren nicht nach Standardprozessen. Herkömmliche Instrumente funktionieren hier nicht. Das heißt: Wir müssen erst einmal von Grund auf unser bisheriges Wissen verlernen und gängige Wege verlassen, um neu denken zu können und zu überlegen, wie ein Miteinander auf Basis kollektiv geführter Strukturen funktionieren kann. Denn: Genossenschaften können nur existieren, wenn die Mitglieder mitmachen. Durch diesen neuen Raum an Möglichkeiten schaffen wir es, den digitalen Sektor wieder verstärkt mit Demokratie in Verbindung zu bringen.

Ela Kagel
Digitalstrategin und Mitbegründerin von SUPERMARKT

Denkräume | Stadtentwicklung

Social Summit

Gemeinwohlorientierung in der Stadtentwicklung ist in den deutschen Kommunen bereits fest verankert. Auf EU-Ebene ist das Bild jedoch heterogener. In manchen Mitgliedstaaten ist das Konzept bekannt, in anderen braucht es noch grundsätzliche Debatten dazu. Dabei gilt auch zu bedenken: Was in Kopenhagen funktioniert, kann an einem anderen Ort scheitern. Es braucht daher individuelle sowie ortsbezogene Lösungen und Definitionen des Gemeinwohls.

Dominique Breier
Referentin im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
Social Summit

In der Kommunikation zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik geht es um Wissenstransfer in beide Richtungen. Denn das Wissen aus der organisierten Zivilgesellschaft kann der Politik und Verwaltung helfen. Aber wir beobachten auf allen Seiten oft eine große Scheu, weil die Perspektiven und Arbeitsweisen der jeweils anderen so unterschiedlich sind. Deshalb braucht es eine Schnittstelle, um mehr Verständnis und darauf aufbauend einen Dialog herzustellen.

Theresa Martens
Arbeits- und Koordinierungsstruktur Gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung Friedrichshain-Kreuzberg
Social Summit

Eine Gesellschaft hält erstaunlich viele Gestaltungsoptionen bereit. Gleichzeitig besteht sie aus einem vielschichtigen Geflecht von persönlicher Betroffenheit und gemeinschaftlichen Impulsen, die nicht immer klar einzuordnen sind. Wir sind Ansprechpersonen, die hier unterstützen, sortieren und weitertragen. Um Bürger:innen einzubinden, ko-produzieren wir eine Stadt mit verschiedensten Akteur:innen – zum Beispiel nehmen wir Häuser vom Markt über das Kommunale Vorkaufsrecht.

Julian Zwicker
AKS Gemeinwohl, Beauftragter für gemeinwohlorientierte Immobilienangelenheiten und Vorstand der Häuser Bewegen GIMA Berlin-Brandenburg eG

Denkräume | Bildung

Social Summit

In einer Demokratie zählt jede Stimme, aber nicht immer wird jede Stimme auch gehört: Wie können wir das ändern? In unserem Bürgerrat diskutieren Menschen aus unterschiedlichen Bereichen über Bildung und Lernen und bringen dabei ihre eigene Perspektive ein. Die Forderungen, die am Ende stehenbleiben, sind nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern Ergebnis eines Aushandlungsprozesses. Durch die Zufallsauswahl der Teilnehmenden und durch das Moderationsformat werden auch diejenigen gehört, die sonst nicht zu Wort kommen. Der Bürgerrat ist damit ein starkes Instrument, um Themen sichtbar zu machen und politischen Druck auszuüben.

Dr. Karl-Heinz Imhäuser
Vorstand der Carl Richard Montag Förderstiftung und der Montag Stiftung Denkwerkstatt
Social Summit

Schulen sollten wie Orte des Lernens gestaltet sein, nicht wie Orte des Lehrens. Wenn die Schule nicht der optimale Ort dafür ist, machen wir grundsätzlich etwas falsch. Wir setzen bei uns auf selbstorganisiertes Lernen. Das funktioniert frei von Zeit und Raum. Dabei geben wir ganz viel Verantwortung an die Schülerinnen und Schüler ab. Bei uns dürfen sie lernen wann, wo und wie sie möchten. Wir bieten dafür die Räume und machen Angebote zum Basteln, Werkeln, Forschen und Gestalten.

Stefan Ruppaner
Rektor der Alemannenschule Wutöschingen

ICH und die ANDEREN

Wie viel Gemeinwohl können wir?

Das Wohl aller in unserer Gesellschaft ist ein hohes Gut. Dieser Gedanke prägt – neben der Sicherung der individuellen Freiheit – auch den Geist des Grundgesetzes. Aber schon bei der Frage, wie dieser Anspruch einzulösen ist, setzt Reibung ein: Brauchen wir Kompromisse, Regelungen, Solidarität? Wer setzt sich für was, für wen ein? Wo darf der Staat eingreifen? Wer schützt meine Freiheit? Wer engagiert sich für Schwache?

Es geht um das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und Gemeinwohl: Wird gehört, wer am lautesten ist? Wer wird überhört, übersehen, übergangen? Wie kommt ein Wir aus Politik, Wirtschaft und Individuen zu Lösungen, die möglichst vielen Menschen helfen? Diese Fragen sind besonders relevant vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen, wie wir sie gerade erleben. Auf dem SocialSummit 2022 haben wir sie diskutiert.